
Südafrika steht für Gegensätze wie kaum ein anderes Land. Damit ist sowohl die Landschaft als auch die Bevölkerung gemeint. Zwar bin ich jetzt erst 7 Wochen hier, doch den Gegensatz zwischen der extremen Armut und dem großen Reichtum ist kaum zu übersehen. Vor ca. 3 Wochen waren wir in das Haus unserer Ärztin Corinne eingeladen, während sie im Urlaub war. Wir sollten mit den Hunden spazieren gehen und auf ihr Haus aufpassen. Es schien für uns eine gute Gelegenheit aus dem Townshipleben rauszukommen. Also los gings!
Alleine die Fahrt durch die Wohngegend Clermont zeigte uns, hier sind wir in einer anderen Welt. Überall standen Villen, natürlich mit den besten Alarmsystem ausgestattet, ihre Größe glich der eines Parks. Nachdem wir eine Weile staunend durch die Gegend gefahren waren, kamen wir endlich dort an wo wir hinwollten. Das elektrische Tor öffnete sich und vor uns konnten wir die Villa sehen, und fast nur die Villa, so groß ist sie. Sie ist größtenteils einstöckig, was sie noch größer wirken lässt. Neben vielen Räumen, u.a. auch ein Musikzimmer mit Billardtisch (!!), draußen in dem kleinen Park ein Tennisplatz, ein Pool und trotzdem noch genügend Wiese. Tja so ist es eben, wenn man reich ist. Jedenfalls verbrachten wir dort ein wunderschönes Wochenende, konnten spazieren gehen und einfach die Natur genießen, von der man hier absolut gar nichts sieht. Trotzdem fragt man sich, wie es sein kann, dass nur ein paar Kilometer weiter die Menschen sterben, weil sie nicht genügend zu essen, oder kein sauberes Wasser haben . Wenn man diese beiden Welten kennen gelernt hat, kann man schon verstehen, warum die Schwarzen so unzufrieden sind und endlich Gleichberechtigung wollen – die ist nämlich auch 14 Jahre nach der Apartheid noch nicht vollständig vorhanden. Die Schwarzen wohnen größtenteils in ihren Shacks (den Wellblechhütten), die Weißen in großen Villen. Genauso kann man sich auch nicht vorstellen, dass an der Tankstelle ein Weißer Benzin auffüllt, im Supermarkt di
e Tüten einpackt oder die Autos bewacht. Herzlich willkomme
n in Südafrika.So langsam schaffe ich es auch etwas mehr von der schönen Landschaft zu sehen. Vor 2 Wochen haben wir tapfer den Tafelberg bestiegen – traumhaft und die Mühen dort raufzukommen sind es wert. Der Ausblick lässt sich nicht in Worte beschreiben. Wenn es nicht so touristisch überlaufen wäre, wäre es noch
um einiges schöner gewesen.Letztes Wochenende haben Marie, Veronika und eine Freundin von Marie und ich das Camphill West Coast besucht. Es liegt etwa 2 Stunden mit dem Minibustaxi von hier. (Ja, den haben wir genommen und es ist nicht so extrem gefährlich wie behauptet wird). Dort arbeiten 7 andere von meiner Organisation mit körperlich und geistig beeinträchtigen Menschen zusammen. Wieder kommt man aus dem Township in eine andere Welt, aber diesmal heißt es nicht unbedingt, dass dort nur Villen stehen, aber es ist einfach so abgeschnitten von jeglicher Realität, was sicherlich auch gut für die Bewohner dort ist. Zum Camphill gehört ein riesiges Stück Land und das tollste ist, man kann sich dort frei bewegen – ja ihr habt richtig gelesen, das habe ich hier ganz schön zu schätzen gelernt. In Khayelitsha kann
man niemals alleine rumlaufen und man sollte sich auch nur auf unserer Straße hier bewegen, mehr ist einfach nicht drin. Wir Freiwillige können einfach weg hier, das Wochenende in Kapstadt verbringen, oder eben einen Wochenende in eine „bessere“ Welt machen, aber die Menschen hier können das nicht. Trotzdem würde ich niemals Kapstadt meine neue Heimat nenne, viel mehr Khayelitsha, was übersetzt heißt „unsere neue Heimat“.Die Arbeit war in den letzten Wochen sehr stressig, wir haben über 20 neue Kinder bekommen, manche nur für ein paar Tage, andere bleiben aber hier. Jedes Kind hat seine eigene Leidensgeschichte und reagiert deshalb auch auf verschiedene Dinge anders. Wir wachsten ständig, deshalb muss sich Baphumelele auch an Richtlinie halten. Gerade wird eine Babyklappe gebaut (die erste in Kapstadt) und vor zwei Wochen wurden Videokameras aufgestellt. Willkommen im Hochsicherheitstrakt – was aber sicherlich seine Richtigkeit hat. Die Kinder waren viel krank, teilweise schlimmer, wie die kleine 14 Monate alte Kgomotso, die Meningitis hat und wahrscheinlich nie wieder richtig gesund wird. Wir haben sogar 2 Wochen um ihr Leben gebangt. Andere haben „nur“ Durchfall, Hautprobleme und entzündete Finger. Deshalb
standen viele Krankenhausbesuche an, die anders als in Deutschland mindestens 4 Stunden lang sind. Seit Montag stehen nun die Aufgaben für das Jahr fest. Ich werde mit Marie zusammen die Grade R (Vorschule) und das Bonitaprogramm machen.Letzte Woche waren Ferien, was dann für uns viel Arbeit heißt, dass die Kinder liebend gerne was machen wollen. So überlegten wir uns für Mo- Do etwas. Freitag haben die Sisis („sisi“ ist xhosa und bedeutet Schwester, also die Betreuer) den Nationalfeiertag „heritage day“ nachgefeiert. Es wurde getanzt, gesungen, Gedichte vorgetragen und geschauspielert. Es war eine bunte Mischung, die nicht zuletzt durch die traditionellen Kleider zu Stande kam. Was darf an so einem Tag nicht fehlen? Richtig, das Essen... Eins der Nationalessen ist Kuhmagen, warum also nicht das an diesem Tag zubereiten. Der Geruch, den ich einiger Tage vorher im Office beim Email schreiben aufgeschnappt hatte, bereitete mir nicht so großen Hunger. Höflichkeit steht aber vorne, deswegen haben wir es
alle brav probier. Leider hat mein Magen sich vollkommen geweigert mehr davon zu essen, als ein kleines Stücken. Das selbstgebrauchte Ingwerbier wurde von Schluck zu Schluck besser. Wenigstens etwas wo ich sagen konnte, dass es mir geschmeckt hat.Es gibt noch so vieles mehr zu erzählen, teilweise geht das, vieles ist aber nicht in Worte fassbar. Ich hoffe ich konnte einen kleinen Eindruck vermitteln, was es heißt hier zu Leben und zu Arbeiten.
Jederzeit freue ich mich auf Neuigkeiten und Lebenszeichen aus Deutschland und von meinen fleißigen Bloglesern! Danke, dass ihr so intressiert dabei seid.

Salani kakuhle
Lina