Müde stapfe ich von meiner Flat in die allgemeine, um mir dort ein schönes Sonntagsfrühstück zu gönnen. Auf dem Weg begegne ich ungefähr 10 Kindern, die alle auf mich zurennen und mich umarmen. Kurz bevor ich nach oben gehen möchte begegne ich einer Sisi aus dem Babyhaus – es ist nicht genügend Milchpulver da. Nun gut, Volunteers sind ja für so etwas da und so mache ich mich auf den weg nach Mitchells Plain (das Coloureds Township wo wir immer unser Essen einkaufen), um Nachschub für unsere Kleinen zu holen.
Auf dem Rückweg verhakt sich der Scheibenwischer plötzlich ineinander und der Regen macht es mir unmöglich viel zu sehen. Also versuche ich links ran zu fahren um alles wieder in Reihe und Ordnung zu bekommen. Dummerweise schramme ich dabei den Bordstein und pffff schon ist die Luft draußen – aus zwei Reifen. Na ja die Reifen sind eben etwas älter. Da möchte man meinen, es ist ziemlich gefährlich mitten im Township an der Seite mit Warnblick zu stehen und zu warten, dass Johanna und Freddie einen weiteren Ersatzreifen bringen. Falsch, wieder einmal stellt sich unter Beweis, dass das Leben in Township gar nicht so gefährlich ist, wie alle immer behaupten. Als sie da sind und wir gerade mit dem Reifenwechsel anfangen wollen, stoppt ein schwarzer BMW und drei Männer steigen aus. Mindestens jetzt könnte man sich vorstellen, dass die meisten Angst bekommen würden und doch lieber die Polizei dabei haben. Doch genau wie wir es gewohnt sind, wird man erst mal freundlich begrüßt „Molo Sisi, How are you?“ und schon sehen sie, dass wir nicht mehr weit kommen mit zwei platten Reifen. Zusammen wird gelacht und schon machen sich zwei unserer neuen Freunde an die Arbeit den Reifen zu wechseln. Unsere Hilfe wollen sie erst gar nicht, immerhin sind wir ja in ihrer „community“. Sie meinen, falls sie eines Tages in einer weißen „community“ stecken bleiben sollten, dann dürften wir ihnen helfen. Einer von ihnen bietet uns ein Bier an und zusammen steht man im Regen, drinkt Bier und redet ueber die guten deutschen Autos. Sie sind auch ganz schön beeindruckt von den paar Worten die wir in Xhosa sprechen können und freuen sich daran wie gut Johanna die Klicklaute kann. Wie selbstverständlich wechselt einer von ihnen die Reifen und meint zu dem einen Reifen nur „den könnt ihr nicht mehr gebrauchen, der ist hinüber“ und grinst freundlich. Gleichzeitig geben sie uns Tipps wo wir am Besten 2nd Hand Reifen bekommen. Am Ende werden die letzten Schlücke von dem guten Heineken getrunken, Nummern ausgetauscht und weiter gehts. Sie gehen erst mal auf eine der bekanntesten Braaipartys (Grillpartys) in Guguletu – Mzolis, darüber hat selbst Jamie Olivier schon geschrieben. Sie laden uns ein mitzukommen, doch wir müssen leider zurück, die Kinder haben Hunger und auch sonst wartet noch die in oder andere kleine Aufgabe. Falls wir mal Zeit und Lust haben sollen wir uns melden, für etwas Bier trinken und gemeinsam zusammen sitzen hat man immer Zeit. Das ist eben Südafrika, Gastfreundlichkeit findet man an allen Ecken.
Sonntag, 21. Juni 2009
Montag, 8. Juni 2009
Ein Tag wie jeder
Neulich, es war Mittwoch Mittag, merkte ich ploetzlich, dass es mal wieder viel zu spaet war um in 10 min beim Krankenhaus zu sein, damit ich – nach deutscher Zeit – puenktlich zum Termin erscheine. Wenn man vernuenftig faehrt braucht man fuer die Strecke 20-30min. Fuer afrikanische Zeit war ich also noch gut dabei. Anders als sonst fand der Termin nicht 4 Stunden spaeter statt, sondern puenktlich, was an der einfachen Begebenheit lag, dass es nur Physiotherapie fuer das Baby war und nicht eine Untersuchung. Nun gut, mit einer afrikanischen Verspaetung kam ich an und war auch gleich an der Reihe – Glueck fuer mich! Das Ganze dauert auch nicht lange und meine Mahle hat diesmal sogar Spass daran. Normalerweise findet sie das alles nicht so lustig und setzt in diesen Faellen ihren mittlerweile beruehmten „Mahle-Karate-Blick“ auf – daher ihr Spitzname „Karate-Mahle“. In diesen Faellen haelt man lieber Abstand, denn man kann sich nur zu gut vorstellen, wie sie als 10 Monate altes Baby ploetzlich nur noch schreit und alles um sich herum kurz und klein haut. An diesem Tag ist jetdoch alles gut. Zurueck im Auto bekommt Mahle erst Mal etwas Milch und Brei. Doch dann muss ich schnell nach hause, weil das Auto gebraucht wird. Also Mahle in den Babysitz, sie angeschnallt, mich angeschnallt, Schluessel rein und.... das liegt bestimmt wieder an diesen alten Autos...doch nein, bald stelle ich fest, es liegt an mir. Ich hatte mal wieder vergessen das Licht auszumachen. Also wieder abgeschnallt, angerufen und warten... Auf dem Ruecksitz bekommt Mahle einen Hustenanfall – ja ja das liegt bestimmt wieder an ihrem Asthma – auch diesmal falsch. Denn als sie eine Weile bei mir vorne auf dem Schoss sitzt, kommt ploetzlich die halbe Milch wieder raus. Also mit dem Handtuch aufgewischt, neue Babykleider gesucht, Mahle umgezogen und wieder bequem ins Auto gesetzt. Doch weil das Ganze so schoen war, kommt nun noch die zweite Haelfte der Milch mir entgegen. Diesmal bin ich allerdings vorgewarnt und kann das Handtuch zum Schutz davor halten. Doch Mahle landet mit ihrem Gesicht erst Mal voll drinnen, also mache ich diesmal ihr Gesicht sauber. Mutter sein kann schon anstrengend sein! Gluecklichweise kommt nun auf Hilfe und wir bringen das Auto wieder zum Laufen und ich kann wieder zurueck nach Baph fahren, ohne weitere Zwischenfalle an diesem Tag. Mahle geht es wieder gut, den restlichen Tag ist sie froehlich und lacht. Normalerweise verstehen wir uns wirklich super, sie ist mein kleiner Sonnenschein, doch Mutter sein - das hat noch Zeit.
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