Donnerstag, 20. November 2008

Regenbogennation vs. deutschen Brezeln

Trommelschläge, tanzende, bunt bemalte Menschen, freundliche Gesichter

... so stellt man sich Afrika vor, wenn man darüber in Büchern liest oder Filme darüber schaut. Doch gleich am Anfang ist zu sagen, dass Südafrika keinesfalls mit Afrika gleichzusetzen ist. Südafrika ist unglaublich vielfältig, wie ca.11 Länder Afrikas zusammen. Daraus ergeben sich auch die 11 Landessprachen hier. Dazu gehört Englisch, Afrikaans, Xhosa, Zulu, Suthu, Ndebele, Sepedi, Setswana, Swati, Tshonga, Tswana, Tshivenda, Venda und Xisonga. Kaum zu glauben, aber sie werden wirklich auch alle gesprochen. Auch wenn Englisch die Amtssprache ist, sprechen noch lang nicht alle Englisch. Hier im Township begegnet man diesen Menschen und lernt von ihnen, auch ohne Sprache. Anfangs ist es schwer sich den Kulturen anzunähern und ich habe mich auch lange gefragt wann ich endlich die Kultur oder besser die Kulturen kennen lernen werde. Im Rückblick auf die drei Monate hier kann ich aber doch sagen, dass man doch viel Kultur erlebt, da hier in Khayelitsha hauptsächlich Xhosa und Sutho leben. Dazu gehört der Kuhmagen genauso wie die tanzenden Menschen, die bunt bemalt sind und laut singen, denn ihre Stimme hat so viel mehr Power als unsere. Ihre Lieder handeln vom Wandel und dem Glauben an Gott, von der Hoffnung und dem Leben und dem Willen all die Schwierigkeiten im Leben zu meistern. Diese Themen findet man in auch im Rap wieder, die Musik der Jugendlichen hier.
Es sind die kleinen Momente die einen an der Kultur hier teilhaben lassen. Doch man darf nicht erwarten, dass man auf Anhieb alles sieht und kennenlernt, dafür ist das kulturelle Leben hier in Südafrika zu vielfältig, es ist eben nicht ohne Grund die „Regenbogennation Mandelas“. Jede Volksgruppe hat ihre eigene Geschichte und dadurch ihre eigene Kultur, Bräuche und Gewohnheiten. Bei den Xhosas unter anderem ist der Respekt immer noch sehr wichtig. Auch wenn man hier in Baphumelele die Meisten mit „sisi“ (Schwester) und „buthi“ (Bruder) anredet, darf man jedoch nicht vergessen, dass man Personen im Alter von den eigenen Eltern mit „mama“ bzw. „tata“ (Vater) anspricht. Auch die Frage nach dem Befinden des Gegenübers wird immer wieder ausgesprochen, so folgt auf ein „Molo“ (Hallo) auch immer ein „kunjani?“ (wie geht’s?) usw. Dabei ist es egal ob man eigentlich weiterläuft und es dem anderen nur hinterher ruft, oder ob man wirklich interessiert stehen bleibt und die Antwort abwartet.

Doch wahrscheinlich wird es immer schwierig bleiben sich hier in die Kultur einzuleben, weil es einfach so viele verschieden gibt, ein großer Teil besteht ja auch noch aus Afrikaans und Englisch sprechende Menschen, deren Kultur sich um einiges von der Kultur der Xhosa zum Beispiel unterscheidet und doch ist sie auch nicht mit der meinigen zu vergleichen, obwohl die letztere schon ähnlich ist, was wohl daran liegt, dass Kapstadt sehr europäisch geprägt ist.
Das wohl krassester Erlebnis mit der deutschen Kultur hatte ich vor ca. drei Wochen als Anil, Veronika und ich auf den Bazar der deutschen Schule gefahren sind. Schon die dazugehörigen Straßen waren mit Autos zugeparkt, nur ein Zeichen davon, dass es hier nur so von Deutschen wimmelt. Als wir dann durch das Tor der deutschen Schule, die sich übrigens in der besten Lage Kapstadts befindet mit Ausblick auf Kapstadt inklusive, gegangen sind hörte man überall die Sprache des Landes in dem ich aufgewachsen bin. Meilenweit von zu hause entfernt seine eigene Sprache an allen Ecken zu hören, das ist schon ein komisches Gefühl, doch das was mich am meisten bewegt hat, war die Begegnung mit meiner eigenen Kultur und wie sie dargestellt wird. Auf dem Bazar war nicht nur viele deutsche Menschen, die sich für eine bestimmte Zeit in Kapstadt niedergelassen haben oder auch ihr ganzes Leben dort verbringen wollen. Kaum waren wir an dem eigentlichen Platz angekommen, sahen wir ein Stand mit großen Buchstaben auf denen stand „Bockwurst und Bratwurst“ und ja ich gebe zu, dass ich mir da doch eine geleistet habe, da das Fleisch hier nicht gerade zum Essen reizt. Schon von weitem hörten wir Musik, die einem von Après-Ski-Partys und dem Oktoberfest bekannt vorkommt. Ja und so war es dann auch. Dort stand ein riesiges Festzelt mit Livemusik, da durften Lieder wie „Ein Prosit“ keinesfalls fehlen. Überall Menschen, teilweise leicht angeheitert, mit einem Bierglas in der Hand, eine „Halbe“ selbstverständlich. Leider waren wir etwas spät dran, sodass wir vom restlichen Bazar nicht mehr viel mitbekommen haben, aber es war auch so erstaunlich all das zu sehen und zu erleben. Das Verrückte daran ist aber, dass man doch merkt, dass doch etwas Wahres daran ist und auch, dass diese Dinge Teil der deutschen Kultur sind und somit auch Teil von mir sind, auch wenn ich weiß Gott kein Fan von grölenden Menschen in Festzelten bin. Aber in Verbindung mit guten deutschen Brezeln steh ich doch gerne, die man übrigens auch hier beim deutschen Bäcker kaufen kann genauso wie die Würste beim deutschen Metzger. Dort habe ich gemerkt wie sehr mich die Rückkehr nach Deutschland nächsten September und auch in mein bisheriges gewohntes Leben überraschen wird und dass ich dann dort vermutlich den Kulturschock haben werde, der hier ausgeblieben ist. Denn an diesem Tag ist mir aber aufgefallen wie sehr ich mich schon an das Leben im Township gewöhnt hab, Menschen zu sehen, denen man ansieht, dass sie arbeiten um ihre Familie zu ernähren und für das nackte Überleben. Familien die auf engstem Raum zusammenleben und zu fünft in einem Bett schlafen. Auch wenn dies nicht Teil des Kinderheimes ist in dem ich arbeite, kann man es in der Umgebung sehen und auch aus dem hören was Menschen erzählen. Aber viel von diesen Leben in der anderen Kultur wird mich immer begleiten, doch das Meiste werde ich noch im kommenden Jahr lernen und darauf bin ich gespannt, vor allem auch was ich noch über die vielen verschiedenen Kulturen Südafrika lernen werde und hoffentlich werde ich am Ende auch etwas mehr Xhosa sprechen können, was einen großen Teil einer Kultur ausmacht.

Samstag, 11. Oktober 2008

Das Land der Gegensätze


Südafrika steht für Gegensätze wie kaum ein anderes Land. Damit ist sowohl die Landschaft als auch die Bevölkerung gemeint. Zwar bin ich jetzt erst 7 Wochen hier, doch den Gegensatz zwischen der extremen Armut und dem großen Reichtum ist kaum zu übersehen. Vor ca. 3 Wochen waren wir in das Haus unserer Ärztin Corinne eingeladen, während sie im Urlaub war. Wir sollten mit den Hunden spazieren gehen und auf ihr Haus aufpassen. Es schien für uns eine gute Gelegenheit aus dem Townshipleben rauszukommen. Also los gings!
Alleine die Fahrt durch die Wohngegend Clermont zeigte uns, hier sind wir in einer anderen Welt. Überall standen Villen, natürlich mit den besten Alarmsystem ausgestattet, ihre Größe glich der eines Parks. Nachdem wir eine Weile staunend durch die Gegend gefahren waren, kamen wir endlich dort an wo wir hinwollten. Das elektrische Tor öffnete sich und vor uns konnten wir die Villa sehen, und fast nur die Villa, so groß ist sie. Sie ist größtenteils einstöckig, was sie noch größer wirken lässt. Neben vielen Räumen, u.a. auch ein Musikzimmer mit Billardtisch (!!), draußen in dem kleinen Park ein Tennisplatz, ein Pool und trotzdem noch genügend Wiese. Tja so ist es eben, wenn man reich ist. Jedenfalls verbrachten wir dort ein wunderschönes Wochenende, konnten spazieren gehen und einfach die Natur genießen, von der man hier absolut gar nichts sieht. Trotzdem fragt man sich, wie es sein kann, dass nur ein paar Kilometer weiter die Menschen sterben, weil sie nicht genügend zu essen, oder kein sauberes Wasser haben . Wenn man diese beiden Welten kennen gelernt hat, kann man schon verstehen, warum die Schwarzen so unzufrieden sind und endlich Gleichberechtigung wollen – die ist nämlich auch 14 Jahre nach der Apartheid noch nicht vollständig vorhanden. Die Schwarzen wohnen größtenteils in ihren Shacks (den Wellblechhütten), die Weißen in großen Villen. Genauso kann man sich auch nicht vorstellen, dass an der Tankstelle ein Weißer Benzin auffüllt, im Supermarkt die Tüten einpackt oder die Autos bewacht. Herzlich willkommen in Südafrika.

So langsam schaffe ich es auch etwas mehr von der schönen Landschaft zu sehen. Vor 2 Wochen haben wir tapfer den Tafelberg bestiegen – traumhaft und die Mühen dort raufzukommen sind es wert. Der Ausblick lässt sich nicht in Worte beschreiben. Wenn es nicht so touristisch überlaufen wäre, wäre es noch um einiges schöner gewesen.

Letztes Wochenende haben Marie, Veronika und eine Freundin von Marie und ich das Camphill West Coast besucht. Es liegt etwa 2 Stunden mit dem Minibustaxi von hier. (Ja, den haben wir genommen und es ist nicht so extrem gefährlich wie behauptet wird). Dort arbeiten 7 andere von meiner Organisation mit körperlich und geistig beeinträchtigen Menschen zusammen. Wieder kommt man aus dem Township in eine andere Welt, aber diesmal heißt es nicht unbedingt, dass dort nur Villen stehen, aber es ist einfach so abgeschnitten von jeglicher Realität, was sicherlich auch gut für die Bewohner dort ist. Zum Camphill gehört ein riesiges Stück Land und das tollste ist, man kann sich dort frei bewegen – ja ihr habt richtig gelesen, das habe ich hier ganz schön zu schätzen gelernt. In Khayelitsha kann man niemals alleine rumlaufen und man sollte sich auch nur auf unserer Straße hier bewegen, mehr ist einfach nicht drin. Wir Freiwillige können einfach weg hier, das Wochenende in Kapstadt verbringen, oder eben einen Wochenende in eine „bessere“ Welt machen, aber die Menschen hier können das nicht. Trotzdem würde ich niemals Kapstadt meine neue Heimat nenne, viel mehr Khayelitsha, was übersetzt heißt „unsere neue Heimat“.
Die Arbeit war in den letzten Wochen sehr stressig, wir haben über 20 neue Kinder bekommen, manche nur für ein paar Tage, andere bleiben aber hier. Jedes Kind hat seine eigene Leidensgeschichte und reagiert deshalb auch auf verschiedene Dinge anders. Wir wachsten ständig, deshalb muss sich Baphumelele auch an Richtlinie halten. Gerade wird eine Babyklappe gebaut (die erste in Kapstadt) und vor zwei Wochen wurden Videokameras aufgestellt. Willkommen im Hochsicherheitstrakt – was aber sicherlich seine Richtigkeit hat. Die Kinder waren viel krank, teilweise schlimmer, wie die kleine 14 Monate alte Kgomotso, die Meningitis hat und wahrscheinlich nie wieder richtig gesund wird. Wir haben sogar 2 Wochen um ihr Leben gebangt. Andere haben „nur“ Durchfall, Hautprobleme und entzündete Finger. Deshalb standen viele Krankenhausbesuche an, die anders als in Deutschland mindestens 4 Stunden lang sind. Seit Montag stehen nun die Aufgaben für das Jahr fest. Ich werde mit Marie zusammen die Grade R (Vorschule) und das Bonitaprogramm machen.
Letzte Woche waren Ferien, was dann für uns viel Arbeit heißt, dass die Kinder liebend gerne was machen wollen. So überlegten wir uns für Mo- Do etwas. Freitag haben die Sisis („sisi“ ist xhosa und bedeutet Schwester, also die Betreuer) den Nationalfeiertag „heritage day“ nachgefeiert. Es wurde getanzt, gesungen, Gedichte vorgetragen und geschauspielert. Es war eine bunte Mischung, die nicht zuletzt durch die traditionellen Kleider zu Stande kam. Was darf an so einem Tag nicht fehlen? Richtig, das Essen... Eins der Nationalessen ist Kuhmagen, warum also nicht das an diesem Tag zubereiten. Der Geruch, den ich einiger Tage vorher im Office beim Email schreiben aufgeschnappt hatte, bereitete mir nicht so großen Hunger. Höflichkeit steht aber vorne, deswegen haben wir es alle brav probier. Leider hat mein Magen sich vollkommen geweigert mehr davon zu essen, als ein kleines Stücken. Das selbstgebrauchte Ingwerbier wurde von Schluck zu Schluck besser. Wenigstens etwas wo ich sagen konnte, dass es mir geschmeckt hat.




Es gibt noch so vieles mehr zu erzählen, teilweise geht das, vieles ist aber nicht in Worte fassbar. Ich hoffe ich konnte einen kleinen Eindruck vermitteln, was es heißt hier zu Leben und zu Arbeiten.

Jederzeit freue ich mich auf Neuigkeiten und Lebenszeichen aus Deutschland und von meinen fleißigen Bloglesern! Danke, dass ihr so intressiert dabei seid.

Salani kakuhle
Lina

Sonntag, 21. September 2008

Darf ich bitten?

Jede Woche Dienstag –und Mittwochnachmittag machen Marie und ich Programm für die Patienten im Bonitahaus. Das Bonia ist das Haus für HIV positiv Erkrankte, die am Anfang ihrer Behandlung stehen und dort ihre Medizin und gutes Essen bekommen. Das Programm variiert bislang zwischen Tanzen, Basteln und Spiele spielen. An unserem ersten Nachmittag haben wir einen einfachen Tanz aus 4 Elementen mit ihnen eingeführt, davon waren sie total begeistert und wollen nun immer wieder tanzen. Unser Problem ist nur, dass uns die nötige Lust fehlt und auch eine einfache Choreographie, Hilfe von Tanzbegeisterten ist bei Tag und Nachtzeit willkommen, den Preis Euch einfliegen zu lassen ist leider momentan in meinem Budget nicht vorhanden. Aber wer weiß schon was das Jahr sonst noch bringt... Seitdem haben wir uns eine na ja wie soll ichs nennen, weniger beliebte Choreographie ausgedacht und seitdem warten sie und warten sie und warten sie. Aber zum Glück gibt es ja noch andere Dinge, die man machen kann. Aber ich hatte ja das Glück eine Waldorfschule zu besuchen, weshalb meine kreative Ader doch schon ausgeprägt ist. Mit Hilfe meiner auch ohne waldorfbildung kreativen Mitstreiterin kam schon so manch kreativer Nachmittag zustande. Ein wunderbarer mit Sand gefüllter Luftballon mit einem Smiley drauf bringt sie zum Lachen, wenn es ihnen mal zum Weinen zu Mute ist. Oder jeder konnte sich mit Window color seinen Namen gestalten und es dann auf einen Becher kleben, so hat nun jeder seinen Becher. Sie waren so begeistert davon, dass sie nun mehr Tassen machen wollen und sie zum Verkauf anbieten. Da bin ich ja gespannt ob das klappt. Aber bei den vielen Touristen die hier her kommen, sind sicherlich ein paar Kaufwillige dabei.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, deshalb bin ich zuversichtlich, dass uns die Ideen nicht ausgehen.

Dienstag, 9. September 2008

21:37h Feierabend - Medizintag

Eine meiner Hauptaufgaben ist die Medizin, das heisst, dass die Kinder regelmaessig ihre Medikamente bekommen und sie (falls noetig) Montags und Donnerstags von den Aerzten untersucht werden die nach Baphumelele kommen. Die letzte Woche war zumindest fuer mich relativ ruhig, doch dann kam der Samstag. Es musste noch neue Medizin vorbereitet werden und eine andere Medinzin im Krankenhaus abgeholt werden - na los, kann ja nicht lange dauern, denkste! Nach 6 Stunden war alles fertig und wir konnten ins Wochenende starten...
Am Montag ging es dann grad so weiter. Da in den letzten Wochen relativ viele neue Babys und ueberhaupt Kinder gekommen sind, mussten viele zur Untersuchung. Zwei Kinder, 2 1/2 und 5 Jahre, sind Freitagnacht zu uns gekommen und waren auch dabei. Am Nachmittag (also die Untersuchungen abgeschlossen waren) sind wir dann nach Simelela gefahren, eine Betreuungsstelle fuer missbrauchte Kinder. Normalerweise geht das recht schnell - was in suedafrikanischen Verhaeltnissen ca. 2-3 Stunden sind - doch was wir nicht wussten, fand an diesem Tag ein Verhoer statt, weil sie von ihrem Vater vergewaltigt wurden. Bei solchen Geschichten und auch wie damit umgegangen wird faellt einem dann auf, dass es hier Realitaet ist und wir davon voellig geschockt und es gar nicht glauben koennen das so etwas wirklich passiert.
Back at home (hier reden wir uebrigens viel Denglisch) mussten dann noch alle Spritzen fuer die Babys aufgezogen werden, was nicht gerade wenig ist. So kam es, dass ich dann um 21:37h auf die Uhr schaute und erleichtert feststellen konnte: FEIERABEND!

Kommentare ermoeglichen mir die Gewissheit, dass hier fleissig gelesen wird.

Samstag, 30. August 2008

Angekommen


Da mittlerweile schon mehr als eine Woche in Baphumelele vergangen ist, ist es an der Zeit mich mal zu Wort zu melden.


Der Flug war gut und wie es halt hier in Suedafrika ist, konnte natuerlich nicht alles glatt laufen. Bei der Einreise war es etwas komplizierter, sodass meine Mitfreiwilligen Jakob, Freddie und Johanna etwas warten mussten. Nun gut, war ja nicht weiter schlimm.


Mein neues Zuhause ist relativ klein, aber ziehmlich gemuetlich. Seit Sonntag wohne ich mit Veronika in einem kleinen Zimmer mit Stockbett in dem Flat von den Avivas, den anderen Frewilligen hier in Baph.


Letztes Wochenende sind wir gleich mal nach Kapstadt gefahren und haben die Freiheit genossen, die man hier in Baphumelele nicht wirklich hat. Am Sonntag gings an den Strand mit Sicht nicht nur auf Kapstadt und den Tafelberg, sondern auch auf Wale am Horizont. Wie im Bilderbuch also.


Montag fing dann die Arbeit an. Die meiste Zeit diese Woche arbeitete ich in der Grade R, der Vorschule mit 2 Klassen. Gluecklicherweise sind immer 2 von uns da, sodass wir auf die Klassen aufgeteilt sind. In einer Klasse sind die Juengeren, in der anderen die Aelteren. Ich half nun immer 2 Stunden mit. Es ist nur etwas schwierig, wenn ca. 15 kleine xhosa-sprechende Kinder um dich rumrennen und du natuerlich kaum ihre Sprache sprichst. Aber so langsam wird es und kaum betrete ich den Raum sind die Kinder schon auf mir und um mich herum - so wie ueberall hier in Baphumelele uebrigens. Anfangs war es echt schwierig in der Klasse, vorallem weil ich nicht wusste was tun. Es wurde aber immer besser, vorallem, weil die Lehrerin mich nun auch in Entscheidungen miteinbezieht.

Am Mittwoch hiess es dann frueh aufstehen, weil ich mit einem 1 1/2 Jahre alten Kind ins Krankenhaus gegangen bin. Nach ca. 2 Stunden warten stellte sich heraus, dass der Termin vor einem Jahr war und das irgendwie verpeilt wurde - well thats South Africa.

Gestern war der wohl verrueckteste Tag bislang. Anil, Marie, Veronika, Sim und ich fuhren nach McGregor, einem Waldorfinternat ca. 2 Stunden von hier. Es ist einfach der krasse Gegensatz. Man kann sich dort frei bewegen, die Haeuser haben jeweils genuegend Platz und alles wirkt so friedlich. Ist halt wirklich der komplette Gegensatz zu Khayelitsha, der 4. gefaehrlichsten Gegend der Welt. Auf dem Heimweg speurten wir den Sturm und ein Stein auf der Strasse verursachte einen Platten. Zum Glueck war ein Weingut um die Ecke und so konnte der Reifen gewechstelt werden. Aber als ob das nicht schon genug war, ging unser Benzin dem Ende zu und die ersten Tankstellen die wir anfuhren hatten nicht das Benzin das wir wollten. Nun gut, irgendwo fanden wir dann noch eine und jetzt hatten wir natuerlich Hunger, also raus ausm Auto, Pizza essen mit unserem letzten Geld in der Tasche. Auf der Autobahn merkten wir dann, dass wir kein Geld mehr hatten, um die Maut zu bezahlen, aber ein netter VW Fahrer half uns aus der Patsche, wieder mal Glueck gehabt.

Ich werd mir jetzt mal einen warmen Tee machen, weil hier ist tiefster Winter und der schlimmste Sturm seit 5 Jahren. Morgen werd ich mich um die Medizin hier kuemmern, was wahrscheinlich ab morgen dann mein Arbeitsbereich sein wird.

Machts gut ihr Daheimgebliebenen und schickt mir bei Zeiten mal etwas Sonne.

Mittwoch, 20. August 2008

Zwischen Abschied und Ankommen

Nun wird es tatsächlich ernst, noch 2 mal schlafen dann gehts los. Kaum zu glauben, immer lag noch das Zwischenseminar davor, dadurch hatte man Abstand, jetzt liegt es hinter mir und irgendwie überstürzen sich die Ereignisse. Seit Freitag hab ich mein Visum, seit Samtag meinen Flug, der jetzt halt schon um 6:30 Uhr geht...seit gestern liegt das Seminar hinter mir. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blicke ich gen Abflug.

Das Seminar war einfach wunderschön, kaum in Worte fassbar und nicht vorstellbar,dass man so viel in 10 Tagen erlebt hat. Ich möchte euch trotzdem einen kleinen Einblick in das Erlebte geben. Wir waren 61 Teilnehmer und (glaub) 7 Teamer. Gearbeitet wurde in sogenannten Länder-Regio-Gruppen und im Plenum. Morgens gab es immer um 9 Uhr ein "Warm-up" mit Spielen und Liedern.

Es gab verschiedene Vorträge, z.B. zu dem Thema "Wer sind die Freunde?", Anthroposophie, Kulur, Verwaltung/Versicherung, Entwicklungszusammenarbeit, Globalisierung,Kinderarbeit, Kommunikation&Wahrnehmung, Phasen des Dienstes, Tropenmedizin.
Manche Themen wurden dann in den Ländergruppen weiter bearbeitet. Ansonsten erarbeitetn wir uns in den Gruppen Themen wie Erwartungen/Befürchtungen an den Freiwilligendienst,Tipps und Tricks zum FWD, "Rucksack packen - was nehme ich mit?", Konflikte und wie man damit umgeht. Spannend war auch zu besprechen wie man von anderen wahrgenommen wird und wie man andere wahr nimmt und dass dies meistens schon nach einer Woche ziehmlich gut stimmt. Am vorletzten Tag haben wir dann noch einen Brief an uns selbst geschrieben, den wir in einem Jahr beim Rückkehrerseminar ausgehändigt bekommen.


Aber auch der Spaß und das direkt Erlebare kam nicht zu kurz. So machten wir am ersten Tag eine Weltreise, verbunden mit einer Ralley, die Einschätzung fremder Kultur durfte anhand der "Insel Albatros" erlebt werden.
Beim Kanu fahren konnte man mal nicht an das Jahr denken und einfach nur die Ruhe genießen oder abends bei einem Bierle konnte man sich entspannt mit wunderbaren Menschen unterhalten. Volleyball und ein Tangoworkshop waren auch dabei....selbste das Essen kam nicht zu kurz: Einmal mussten wir mit Händen essen, ein anderes Mal bekamen wir nur so viel Essen, wie die Menschen in der 3. Welt zu essen bekommen, dies führte dann zu einer Revolte von unserer Seite.


Schön war auch, dass JOHN BLEACH da war. Er ist der Koordinator der Freiwilligen in Südafrika und so konnte er uns zahlreiche Tipps geben rund um Südafrika und unserer Zeit dort. Durch ein "secret friend" Spiel wurde man hin und wieder durch eine kleine Aufmerksamkeit verwöhnt. Durch einen kleinen Sprachtest wurden wir auch den offziellen Richtlinien des BMZ und "weltwärts" gerecht...an unserem zweiten Tag hatten wir eine sogenannte "Hospitation" in verschiedenen waldorfpädagogischen Einrichtungen.





Es war mal wieder erstaunlich zu sehen, dass Menschen einem so schnell ans Herz wachsen können, dass der Abschied keinem wirklich leicht viel. Kaum ein Auge blieb trocken, aber alle habe die Hoffnung, dass man sich beim Rückkehrerseminar wiedersieht.

Wenn das jetzt alles etwas wirr ist, dann weil sich die Ereignisse gerade überstürzen, alles kommt auf einmal und man kann sich dem Sog nicht mehr entziehen.
Jetzt steht noch der Abschied von Freunden und Familie bevor, es wird sicherlich nicht einfach werden, aber gleichzeitig wächst die Vorfreude darauf in Südafrika anzukommen und ein völlig anderes Leben kennen zu lernen, umgeben zu sein von etwas Neuem.


Das nächste mal schreib ich aus Südafrika - bis dahin, machts gut!

Montag, 4. August 2008

...noch 18 Tage bis zum Abflug

Langsam wird die Zeit knapp. Nur noch 4 Tage bleiben mir in Reutlingen um den größten Teil zu organisieren, dazu gehört natürlich auch alles Nötige einzukaufen. Am Sonntag werde ich dann noch für 9 Tage in die Nähe von Kassel fahren, bevor ich dann am 22.August um 13:27 Uhr in Stuttgart abheb. Zusammen mit anderen Freiwilligen werden wir uns in Bad Karlshafen in einer Jugendherberge mit der Situation und allen wichtigen Grundkenntnissen befassen. Jeder wird einen Kurzvortrag halten über ein selbst gewähltes Thema. Ich werde mich mit dem Motto Südafrikas auseinandersetzten "Unity in Diversity". Sobald ich die schriftliche Zusammenfassung habe, werde ich sie hier reinstellen.
Irgendwie passiert gerade alles wie in Trance. Man macht alles, realisiert es aber teilweise gar nicht wirklich, dass man für 12 Monate nun auf die andre Seite der Welt fliegt. Unter die Vorfreude mischt sich auch langsam ein kritisches Gefühl. Es ist gar nicht so einfach alles zurück zu lassen, vorallem wenn man nicht genau weiss, was einen erwartet. In letzter Zeit habe ich von ein paar Leuten erfahren, die sich auch für eine bestimmte Zeit in Südafrika aufhalten, das ist natürlich schön, so kommt man zu zahlreichen Urlaubsplänen, die ich wahrscheinlich nicht alle in die Tat umsetzten kann ;-).
Mit den Impfungen bin ich mittlerweile durch, ich werde nur noch eine Typhusimpfung einnehmen, aber das wars dann. Das Visum habe ich vor ca. 2 Wochen beantragt und warte immernoch. Na ja die Hoffnung stirbt zuletzt. Mein Spenderkreis wächst immernoch, doch ein kleiner Teil fehlt leider noch immer. Trotzdem schon einmal ein riesiges Dankeschön an alle Unterstützer davon!!

Dann drückt mir mal die Daumen für die nächsten Tage, schreibt Anregungen oder kleine Erinnerungen als Kommentar, da ich momentan auch gerne mal das ein oder andere vergesse - falls es dich betrifft, entschuldige ich mich schon mal.

Samstag, 7. Juni 2008

Molo!

...schön,dass ihr es hierher geschafft habt!

Noch bin ich in Deutschland, jedoch steht ein Dienstbeginn für Südafrika fest: am 25.August 2008 beginne ich in Baphumelele, bis dahin genieß ich das leben hier und dort in deutschland!
Ab dann werde ich 12 Monate in Khayelitsha (einem Township von Kapstadt) leben und arbeiten. Zusammen mit 7 anderen Freiwilligen aus Deutschland unterstütze ich das Waisenhaus bei der Betreuung von ca. 120 Kindern. Ich freue mich schon sehr auf diese Zeit und hoffe dass ich das Visum rechtzeitig bekomme, meinen Spenderkreis vollständig aufbauen kann und ich alle Impfungen rechtzeitig bekomme.