Donnerstag, 20. November 2008

Regenbogennation vs. deutschen Brezeln

Trommelschläge, tanzende, bunt bemalte Menschen, freundliche Gesichter

... so stellt man sich Afrika vor, wenn man darüber in Büchern liest oder Filme darüber schaut. Doch gleich am Anfang ist zu sagen, dass Südafrika keinesfalls mit Afrika gleichzusetzen ist. Südafrika ist unglaublich vielfältig, wie ca.11 Länder Afrikas zusammen. Daraus ergeben sich auch die 11 Landessprachen hier. Dazu gehört Englisch, Afrikaans, Xhosa, Zulu, Suthu, Ndebele, Sepedi, Setswana, Swati, Tshonga, Tswana, Tshivenda, Venda und Xisonga. Kaum zu glauben, aber sie werden wirklich auch alle gesprochen. Auch wenn Englisch die Amtssprache ist, sprechen noch lang nicht alle Englisch. Hier im Township begegnet man diesen Menschen und lernt von ihnen, auch ohne Sprache. Anfangs ist es schwer sich den Kulturen anzunähern und ich habe mich auch lange gefragt wann ich endlich die Kultur oder besser die Kulturen kennen lernen werde. Im Rückblick auf die drei Monate hier kann ich aber doch sagen, dass man doch viel Kultur erlebt, da hier in Khayelitsha hauptsächlich Xhosa und Sutho leben. Dazu gehört der Kuhmagen genauso wie die tanzenden Menschen, die bunt bemalt sind und laut singen, denn ihre Stimme hat so viel mehr Power als unsere. Ihre Lieder handeln vom Wandel und dem Glauben an Gott, von der Hoffnung und dem Leben und dem Willen all die Schwierigkeiten im Leben zu meistern. Diese Themen findet man in auch im Rap wieder, die Musik der Jugendlichen hier.
Es sind die kleinen Momente die einen an der Kultur hier teilhaben lassen. Doch man darf nicht erwarten, dass man auf Anhieb alles sieht und kennenlernt, dafür ist das kulturelle Leben hier in Südafrika zu vielfältig, es ist eben nicht ohne Grund die „Regenbogennation Mandelas“. Jede Volksgruppe hat ihre eigene Geschichte und dadurch ihre eigene Kultur, Bräuche und Gewohnheiten. Bei den Xhosas unter anderem ist der Respekt immer noch sehr wichtig. Auch wenn man hier in Baphumelele die Meisten mit „sisi“ (Schwester) und „buthi“ (Bruder) anredet, darf man jedoch nicht vergessen, dass man Personen im Alter von den eigenen Eltern mit „mama“ bzw. „tata“ (Vater) anspricht. Auch die Frage nach dem Befinden des Gegenübers wird immer wieder ausgesprochen, so folgt auf ein „Molo“ (Hallo) auch immer ein „kunjani?“ (wie geht’s?) usw. Dabei ist es egal ob man eigentlich weiterläuft und es dem anderen nur hinterher ruft, oder ob man wirklich interessiert stehen bleibt und die Antwort abwartet.

Doch wahrscheinlich wird es immer schwierig bleiben sich hier in die Kultur einzuleben, weil es einfach so viele verschieden gibt, ein großer Teil besteht ja auch noch aus Afrikaans und Englisch sprechende Menschen, deren Kultur sich um einiges von der Kultur der Xhosa zum Beispiel unterscheidet und doch ist sie auch nicht mit der meinigen zu vergleichen, obwohl die letztere schon ähnlich ist, was wohl daran liegt, dass Kapstadt sehr europäisch geprägt ist.
Das wohl krassester Erlebnis mit der deutschen Kultur hatte ich vor ca. drei Wochen als Anil, Veronika und ich auf den Bazar der deutschen Schule gefahren sind. Schon die dazugehörigen Straßen waren mit Autos zugeparkt, nur ein Zeichen davon, dass es hier nur so von Deutschen wimmelt. Als wir dann durch das Tor der deutschen Schule, die sich übrigens in der besten Lage Kapstadts befindet mit Ausblick auf Kapstadt inklusive, gegangen sind hörte man überall die Sprache des Landes in dem ich aufgewachsen bin. Meilenweit von zu hause entfernt seine eigene Sprache an allen Ecken zu hören, das ist schon ein komisches Gefühl, doch das was mich am meisten bewegt hat, war die Begegnung mit meiner eigenen Kultur und wie sie dargestellt wird. Auf dem Bazar war nicht nur viele deutsche Menschen, die sich für eine bestimmte Zeit in Kapstadt niedergelassen haben oder auch ihr ganzes Leben dort verbringen wollen. Kaum waren wir an dem eigentlichen Platz angekommen, sahen wir ein Stand mit großen Buchstaben auf denen stand „Bockwurst und Bratwurst“ und ja ich gebe zu, dass ich mir da doch eine geleistet habe, da das Fleisch hier nicht gerade zum Essen reizt. Schon von weitem hörten wir Musik, die einem von Après-Ski-Partys und dem Oktoberfest bekannt vorkommt. Ja und so war es dann auch. Dort stand ein riesiges Festzelt mit Livemusik, da durften Lieder wie „Ein Prosit“ keinesfalls fehlen. Überall Menschen, teilweise leicht angeheitert, mit einem Bierglas in der Hand, eine „Halbe“ selbstverständlich. Leider waren wir etwas spät dran, sodass wir vom restlichen Bazar nicht mehr viel mitbekommen haben, aber es war auch so erstaunlich all das zu sehen und zu erleben. Das Verrückte daran ist aber, dass man doch merkt, dass doch etwas Wahres daran ist und auch, dass diese Dinge Teil der deutschen Kultur sind und somit auch Teil von mir sind, auch wenn ich weiß Gott kein Fan von grölenden Menschen in Festzelten bin. Aber in Verbindung mit guten deutschen Brezeln steh ich doch gerne, die man übrigens auch hier beim deutschen Bäcker kaufen kann genauso wie die Würste beim deutschen Metzger. Dort habe ich gemerkt wie sehr mich die Rückkehr nach Deutschland nächsten September und auch in mein bisheriges gewohntes Leben überraschen wird und dass ich dann dort vermutlich den Kulturschock haben werde, der hier ausgeblieben ist. Denn an diesem Tag ist mir aber aufgefallen wie sehr ich mich schon an das Leben im Township gewöhnt hab, Menschen zu sehen, denen man ansieht, dass sie arbeiten um ihre Familie zu ernähren und für das nackte Überleben. Familien die auf engstem Raum zusammenleben und zu fünft in einem Bett schlafen. Auch wenn dies nicht Teil des Kinderheimes ist in dem ich arbeite, kann man es in der Umgebung sehen und auch aus dem hören was Menschen erzählen. Aber viel von diesen Leben in der anderen Kultur wird mich immer begleiten, doch das Meiste werde ich noch im kommenden Jahr lernen und darauf bin ich gespannt, vor allem auch was ich noch über die vielen verschiedenen Kulturen Südafrika lernen werde und hoffentlich werde ich am Ende auch etwas mehr Xhosa sprechen können, was einen großen Teil einer Kultur ausmacht.

3 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

Hi Lina sehr interessant was du so erlebt hast =) Die Brezlen gehören halt zu Deutschland....wünsch dir noch eine schönen zeit gruss Steve

Anonym hat gesagt…

Liebste Lina,

da musste ich doch schmunzeln als ichd einen Eintrag gelesen habe. Die Deutschen und die deutsche Kultur werden wohl auf der ganzen Welt ähnlich gesehen. Bier, Bockwurst und Brezeln.
Schade, dass man meist nur diese oberflächlichen Klischees einer Kultur kennenlernt. Ich wünsche dir, dass du in der verbleibenden Zeit nicht nur and er Oberfläche afrikanischer Kulturen kratzt, sondern tiefer einsteigst.

Take care
Becka

Anonym hat gesagt…

Hi Lina!

Sehr schöner Blog Eintrag! Es ist schwer interessant zu lesen, wie unterschiedlich so Freiwilligendienste sein können! Hier in Brasilien sind die Unterschiede der Kultur weitaus versteckter und auf den ersten Blick kleiner - je mehr man aber in das Leben hier reinkommt (vor allem durch die Sprache), umso interessanter wird es, diese Kultur kennen zu lernen!

Weiterhin ein schönes Jahr, ganz liebe grüße,

dein Philipp