Mittwoch, 8. April 2009

Sommerpause die Zweite - Namibia

Im Rueckspiegel sehe ich wie der Tafelberg immer kleiner wird, bis er ganz verschwindet. Wir fahren vorbei an wunderschoenen Landschaften, so weit das Auge reicht. Vor uns liegen 17 Tage Namibia Urlaub, abschalten und geniessen auf ganzer Linie. Die erste Nacht verbringen wir in einem Backpacker in den Cedernberge, wunderschoen gelegen und umgeben von Orangen – und Zitronenbaeumen. Von nun an gehts nordwaerts und in ein anderes Land, das merkt man, sobald die Grenze passiert wird. Hinter der Grenze faehrt man erstmal lange bis man in das erste Dorf kommt, biegt man ab von der grossen Teerstrasse die einmal durch ganz Namibia fuehrt, faehrt nun weiter auf Schotter – oder Sandstrassen. In der Steppe sieht man ploetzlich Zebras und Springboecke, der Campingplatz ist umgeben von der Weite dieses Landes. Immer weiter tauchen wir in ein Land ein, lernen darueber, treffen Leute, die die Gastfreundlichkeit des afrikanischen Kontinents widerspiegeln. Immer begleitet werden von der Sonne und einem blauen Himmel, nur die Landschaften aendern sich.
Mit dem Fish River Canyon bestaunen wir den zweitgroessten Canyon der Welt und haben Einblick in die Tiefe der verschiedenen Schichten der Erde. Kurz hinter Klein – Aus Vista kann man Wildpferde bestaunen. Die Staerke die sie ausstrahlen ist beeindruckend und man kann sie nur in der Natur finden. Es ist schoen einfach dort zu sitzen und ihnen zuzuschauen wie sie sich an der kuenstlichen Traenke ueber das rare Wasser freuen und dann weiter ziehen, wohin weiss man nicht. Mit den Namib Duenen erfuelle ich mir einen langjaehrigen Traum. Schon immer habe ich mir gewuenscht Sandduenen zu sehen. Was ich sowohl bei Sonnenauf – und untergang sehe, kann man nicht in Worte beschreiben, das muss man selbst erlebt haben. Wie die Wueste erwacht, wenn das Licht kommt und wie sie sich schlafen legt, wenn die Sonne unter geht. Das alles von dem Grat der roten Sossusvleiduenen anzuschauen lohnt sich, denn man ist einfach ueberwaeltigt von der Schoenheit die die Natur zu bieten hat. Wenn man dort oben steht und auf die Duenen um einen herum schaut, fuehlt man sich wie die Koenigin der Welt. Es ist sicher einer der schoensten Orte die ich bisher gesehen habe! Weiter gehts in die Staedte Walvis Bay und Swarkopmund. Vor einem liegt das Meer und im Ruecken die Sandduenen, die letzten Auslaeufer der Wueste. Wer glaubt, dass die Kolonalisierung lange Zeit zurueck liegt und alles vorbei ist, hat sich getaeuscht. Noch heute findet man in Namibia Spuren davon. Eine deutsche Baeckerei hier, eine deutsche Metzgerei dort und immer wieder wird freundlich darauf hingewiesen „wir sprechen deutsch“. Wir vermeiden es deutsch zu sprechen, immerhin sind wir in Afrika.
Es ist schoen danach wieder in die Natur einzutauchen und wir widmen uns nun einem Wahrzeichen Namibias: der Spitzkoppe. So gut es uns dort gefaellt, umso weniger gefaellt es unserem Auto, das kurzerhand in einem vor langer Zeit ausgetrockneten Flussbett nicht mehr weiter fahren will. Der Sand in der Mitte der beiden Fahrrillen ist zu hoch und auch wenn wir das Auto befreien koennen, die Abdeckung des Motors bleibt im Sand stecken. So etwas passiert, mit einem Lachen im Gesicht gehts weiter, was kann man schon gross daran aendern! Am gleichen Abend treffen wir ein Ehepaar, eines von vielen Deutschen, die mit einer Pension in Namibia ihr Glueck versuchen wollen. Wir haben Glueck, sie lassen uns in ihrem Garten schlafen, geben uns etwas von ihrem gegrillten Fleisch ab und weil wir ja nicht ohne Fruehstueck am naechsten Tag weiter fahren koennen, bekommen wir noch eine liebevoll zusammengestellten Fruehstuecksteller. Typisch fuer Afrika. In der Hauptstadt geht es genauso ruhig zu, wie im ganzen Umland. Wir haben die Chance die Arbeit von anderen Freiwilligen unserer Organisation anzuschauen. Sie arbeiten in der dortigen Waldorfschule. Es ist vollkommen anders, aber sicherlich genauso schoen. Wir verbringen insgesamt 5 Tage dort, gehen Kaffee trinken mit einem Reisefuehrer den wir ganz am Anfang kennengelernt haben, wandern in einem Park etwas ausserhalb und geniessen das Leben. Es ist ein ganz anderes Lebensgefuehl als in Kapstadt, doch auch hier kann man sich wohl fuehlen.
Auf dem Weg nach Sueden sieht man noch einmal die malerischen Koecherbaeume mitten in der Steppe stehen, vereinzelte Sprinboecke huschen vorbei und um einen herum ist nichts anderes als die Weite eines Landes.
Im Norden Suedafrikas schlafen wir bei dem Tosen der Augrabifaelle ein.Noch zwei mal schlafen wir inmitten der Orangen – und Zitronenbaeume, dann gehts wieder zurueck.
Als hinter einer Bergkuppe der Tafelberg auftaucht, weiss ich „Ich bin wieder zuhause“. In Baph freuen sich die Kinder, dass wir wieder zurueck sind und rennen mit ausgebreiteten Armen auf einen zu. Das Erste was ich hoere ist, dass ein Kind von uns gestorben ist und ich denke mir, vorbei ist es mit der Traumwelt – willkommen in der Realitaet. Es bleiben noch 5 Monate hier und ich freue mich ueber jede Minute die ich hier verbringen darf.

Montag, 16. Februar 2009

...und endlich war ich da!

Manchmal sagen Bilder mehr als tausend Worte. Anstatt also eines langen Berichtes gibts dieses Mal - tut mir Leid für die lange Pause - Bilder von unserer Wanderung ans Kap der Guten Hoffnung zu sehen.
Ausblick aufs Kap während der Wanderung. Auf dem Hügel davor liegen unsere Häuser, bis dahin liegen noch 4 1/2 Stunden Wanderung und 12km vor uns.
Unterwegs kamen wir nicht nur über alle Hügel, sondern auch an schönen Stränden vorbei.
Natur pur: Strauße kreuzen unseren Weg


Unsere Hüttchen.

Aber die Mühen haben sich gelohnt. Der Ausblick von unserer Terasse.


Abendlicher Besucher. Ich stand in der Küche, wollte mir noch eben einen Apfel holen, ich schau durch Zufall durchs Fenster und es rennt ein Pavian ("Baboon") auf die offene Tür zu. Ich habe gerade noch Zeit die Tür zuzuschlagen. Einige Minuten später entdecke ich den Pavian hinter unsere Hütte wie er meinen Rucksack ausräumt.



Seht ihr den spitzen Hügel ganz rechts außen? Ja? Dann wisst ihr von wo wir gelaufen sind.Der wunderschöne Sonnenuntergang. Es war einfach traumhaft dort zu sitzen und einfach die Schönheit der Natur zu genießen!
...und dann kam die Nacht.
Am nächsten Tag, erstes Ziel:
Cape PointTeil unserer Gruppe
unser nächstes Ziel: Kap der guten Hoffnung. Der Strand davor war so verlockend, dass wir die vielen Treppen in Angriff nahmen und dort runtergestiegen sind...untern angekommen mussten wir feststellen, dass das Wasser wie Eiswasser war. Es ist trotzdem einer der schönsten Strände die ich bislang hier gesehen habe!
ohne Worte...

Donnerstag, 20. November 2008

Regenbogennation vs. deutschen Brezeln

Trommelschläge, tanzende, bunt bemalte Menschen, freundliche Gesichter

... so stellt man sich Afrika vor, wenn man darüber in Büchern liest oder Filme darüber schaut. Doch gleich am Anfang ist zu sagen, dass Südafrika keinesfalls mit Afrika gleichzusetzen ist. Südafrika ist unglaublich vielfältig, wie ca.11 Länder Afrikas zusammen. Daraus ergeben sich auch die 11 Landessprachen hier. Dazu gehört Englisch, Afrikaans, Xhosa, Zulu, Suthu, Ndebele, Sepedi, Setswana, Swati, Tshonga, Tswana, Tshivenda, Venda und Xisonga. Kaum zu glauben, aber sie werden wirklich auch alle gesprochen. Auch wenn Englisch die Amtssprache ist, sprechen noch lang nicht alle Englisch. Hier im Township begegnet man diesen Menschen und lernt von ihnen, auch ohne Sprache. Anfangs ist es schwer sich den Kulturen anzunähern und ich habe mich auch lange gefragt wann ich endlich die Kultur oder besser die Kulturen kennen lernen werde. Im Rückblick auf die drei Monate hier kann ich aber doch sagen, dass man doch viel Kultur erlebt, da hier in Khayelitsha hauptsächlich Xhosa und Sutho leben. Dazu gehört der Kuhmagen genauso wie die tanzenden Menschen, die bunt bemalt sind und laut singen, denn ihre Stimme hat so viel mehr Power als unsere. Ihre Lieder handeln vom Wandel und dem Glauben an Gott, von der Hoffnung und dem Leben und dem Willen all die Schwierigkeiten im Leben zu meistern. Diese Themen findet man in auch im Rap wieder, die Musik der Jugendlichen hier.
Es sind die kleinen Momente die einen an der Kultur hier teilhaben lassen. Doch man darf nicht erwarten, dass man auf Anhieb alles sieht und kennenlernt, dafür ist das kulturelle Leben hier in Südafrika zu vielfältig, es ist eben nicht ohne Grund die „Regenbogennation Mandelas“. Jede Volksgruppe hat ihre eigene Geschichte und dadurch ihre eigene Kultur, Bräuche und Gewohnheiten. Bei den Xhosas unter anderem ist der Respekt immer noch sehr wichtig. Auch wenn man hier in Baphumelele die Meisten mit „sisi“ (Schwester) und „buthi“ (Bruder) anredet, darf man jedoch nicht vergessen, dass man Personen im Alter von den eigenen Eltern mit „mama“ bzw. „tata“ (Vater) anspricht. Auch die Frage nach dem Befinden des Gegenübers wird immer wieder ausgesprochen, so folgt auf ein „Molo“ (Hallo) auch immer ein „kunjani?“ (wie geht’s?) usw. Dabei ist es egal ob man eigentlich weiterläuft und es dem anderen nur hinterher ruft, oder ob man wirklich interessiert stehen bleibt und die Antwort abwartet.

Doch wahrscheinlich wird es immer schwierig bleiben sich hier in die Kultur einzuleben, weil es einfach so viele verschieden gibt, ein großer Teil besteht ja auch noch aus Afrikaans und Englisch sprechende Menschen, deren Kultur sich um einiges von der Kultur der Xhosa zum Beispiel unterscheidet und doch ist sie auch nicht mit der meinigen zu vergleichen, obwohl die letztere schon ähnlich ist, was wohl daran liegt, dass Kapstadt sehr europäisch geprägt ist.
Das wohl krassester Erlebnis mit der deutschen Kultur hatte ich vor ca. drei Wochen als Anil, Veronika und ich auf den Bazar der deutschen Schule gefahren sind. Schon die dazugehörigen Straßen waren mit Autos zugeparkt, nur ein Zeichen davon, dass es hier nur so von Deutschen wimmelt. Als wir dann durch das Tor der deutschen Schule, die sich übrigens in der besten Lage Kapstadts befindet mit Ausblick auf Kapstadt inklusive, gegangen sind hörte man überall die Sprache des Landes in dem ich aufgewachsen bin. Meilenweit von zu hause entfernt seine eigene Sprache an allen Ecken zu hören, das ist schon ein komisches Gefühl, doch das was mich am meisten bewegt hat, war die Begegnung mit meiner eigenen Kultur und wie sie dargestellt wird. Auf dem Bazar war nicht nur viele deutsche Menschen, die sich für eine bestimmte Zeit in Kapstadt niedergelassen haben oder auch ihr ganzes Leben dort verbringen wollen. Kaum waren wir an dem eigentlichen Platz angekommen, sahen wir ein Stand mit großen Buchstaben auf denen stand „Bockwurst und Bratwurst“ und ja ich gebe zu, dass ich mir da doch eine geleistet habe, da das Fleisch hier nicht gerade zum Essen reizt. Schon von weitem hörten wir Musik, die einem von Après-Ski-Partys und dem Oktoberfest bekannt vorkommt. Ja und so war es dann auch. Dort stand ein riesiges Festzelt mit Livemusik, da durften Lieder wie „Ein Prosit“ keinesfalls fehlen. Überall Menschen, teilweise leicht angeheitert, mit einem Bierglas in der Hand, eine „Halbe“ selbstverständlich. Leider waren wir etwas spät dran, sodass wir vom restlichen Bazar nicht mehr viel mitbekommen haben, aber es war auch so erstaunlich all das zu sehen und zu erleben. Das Verrückte daran ist aber, dass man doch merkt, dass doch etwas Wahres daran ist und auch, dass diese Dinge Teil der deutschen Kultur sind und somit auch Teil von mir sind, auch wenn ich weiß Gott kein Fan von grölenden Menschen in Festzelten bin. Aber in Verbindung mit guten deutschen Brezeln steh ich doch gerne, die man übrigens auch hier beim deutschen Bäcker kaufen kann genauso wie die Würste beim deutschen Metzger. Dort habe ich gemerkt wie sehr mich die Rückkehr nach Deutschland nächsten September und auch in mein bisheriges gewohntes Leben überraschen wird und dass ich dann dort vermutlich den Kulturschock haben werde, der hier ausgeblieben ist. Denn an diesem Tag ist mir aber aufgefallen wie sehr ich mich schon an das Leben im Township gewöhnt hab, Menschen zu sehen, denen man ansieht, dass sie arbeiten um ihre Familie zu ernähren und für das nackte Überleben. Familien die auf engstem Raum zusammenleben und zu fünft in einem Bett schlafen. Auch wenn dies nicht Teil des Kinderheimes ist in dem ich arbeite, kann man es in der Umgebung sehen und auch aus dem hören was Menschen erzählen. Aber viel von diesen Leben in der anderen Kultur wird mich immer begleiten, doch das Meiste werde ich noch im kommenden Jahr lernen und darauf bin ich gespannt, vor allem auch was ich noch über die vielen verschiedenen Kulturen Südafrika lernen werde und hoffentlich werde ich am Ende auch etwas mehr Xhosa sprechen können, was einen großen Teil einer Kultur ausmacht.

Samstag, 11. Oktober 2008

Das Land der Gegensätze


Südafrika steht für Gegensätze wie kaum ein anderes Land. Damit ist sowohl die Landschaft als auch die Bevölkerung gemeint. Zwar bin ich jetzt erst 7 Wochen hier, doch den Gegensatz zwischen der extremen Armut und dem großen Reichtum ist kaum zu übersehen. Vor ca. 3 Wochen waren wir in das Haus unserer Ärztin Corinne eingeladen, während sie im Urlaub war. Wir sollten mit den Hunden spazieren gehen und auf ihr Haus aufpassen. Es schien für uns eine gute Gelegenheit aus dem Townshipleben rauszukommen. Also los gings!
Alleine die Fahrt durch die Wohngegend Clermont zeigte uns, hier sind wir in einer anderen Welt. Überall standen Villen, natürlich mit den besten Alarmsystem ausgestattet, ihre Größe glich der eines Parks. Nachdem wir eine Weile staunend durch die Gegend gefahren waren, kamen wir endlich dort an wo wir hinwollten. Das elektrische Tor öffnete sich und vor uns konnten wir die Villa sehen, und fast nur die Villa, so groß ist sie. Sie ist größtenteils einstöckig, was sie noch größer wirken lässt. Neben vielen Räumen, u.a. auch ein Musikzimmer mit Billardtisch (!!), draußen in dem kleinen Park ein Tennisplatz, ein Pool und trotzdem noch genügend Wiese. Tja so ist es eben, wenn man reich ist. Jedenfalls verbrachten wir dort ein wunderschönes Wochenende, konnten spazieren gehen und einfach die Natur genießen, von der man hier absolut gar nichts sieht. Trotzdem fragt man sich, wie es sein kann, dass nur ein paar Kilometer weiter die Menschen sterben, weil sie nicht genügend zu essen, oder kein sauberes Wasser haben . Wenn man diese beiden Welten kennen gelernt hat, kann man schon verstehen, warum die Schwarzen so unzufrieden sind und endlich Gleichberechtigung wollen – die ist nämlich auch 14 Jahre nach der Apartheid noch nicht vollständig vorhanden. Die Schwarzen wohnen größtenteils in ihren Shacks (den Wellblechhütten), die Weißen in großen Villen. Genauso kann man sich auch nicht vorstellen, dass an der Tankstelle ein Weißer Benzin auffüllt, im Supermarkt die Tüten einpackt oder die Autos bewacht. Herzlich willkommen in Südafrika.

So langsam schaffe ich es auch etwas mehr von der schönen Landschaft zu sehen. Vor 2 Wochen haben wir tapfer den Tafelberg bestiegen – traumhaft und die Mühen dort raufzukommen sind es wert. Der Ausblick lässt sich nicht in Worte beschreiben. Wenn es nicht so touristisch überlaufen wäre, wäre es noch um einiges schöner gewesen.

Letztes Wochenende haben Marie, Veronika und eine Freundin von Marie und ich das Camphill West Coast besucht. Es liegt etwa 2 Stunden mit dem Minibustaxi von hier. (Ja, den haben wir genommen und es ist nicht so extrem gefährlich wie behauptet wird). Dort arbeiten 7 andere von meiner Organisation mit körperlich und geistig beeinträchtigen Menschen zusammen. Wieder kommt man aus dem Township in eine andere Welt, aber diesmal heißt es nicht unbedingt, dass dort nur Villen stehen, aber es ist einfach so abgeschnitten von jeglicher Realität, was sicherlich auch gut für die Bewohner dort ist. Zum Camphill gehört ein riesiges Stück Land und das tollste ist, man kann sich dort frei bewegen – ja ihr habt richtig gelesen, das habe ich hier ganz schön zu schätzen gelernt. In Khayelitsha kann man niemals alleine rumlaufen und man sollte sich auch nur auf unserer Straße hier bewegen, mehr ist einfach nicht drin. Wir Freiwillige können einfach weg hier, das Wochenende in Kapstadt verbringen, oder eben einen Wochenende in eine „bessere“ Welt machen, aber die Menschen hier können das nicht. Trotzdem würde ich niemals Kapstadt meine neue Heimat nenne, viel mehr Khayelitsha, was übersetzt heißt „unsere neue Heimat“.
Die Arbeit war in den letzten Wochen sehr stressig, wir haben über 20 neue Kinder bekommen, manche nur für ein paar Tage, andere bleiben aber hier. Jedes Kind hat seine eigene Leidensgeschichte und reagiert deshalb auch auf verschiedene Dinge anders. Wir wachsten ständig, deshalb muss sich Baphumelele auch an Richtlinie halten. Gerade wird eine Babyklappe gebaut (die erste in Kapstadt) und vor zwei Wochen wurden Videokameras aufgestellt. Willkommen im Hochsicherheitstrakt – was aber sicherlich seine Richtigkeit hat. Die Kinder waren viel krank, teilweise schlimmer, wie die kleine 14 Monate alte Kgomotso, die Meningitis hat und wahrscheinlich nie wieder richtig gesund wird. Wir haben sogar 2 Wochen um ihr Leben gebangt. Andere haben „nur“ Durchfall, Hautprobleme und entzündete Finger. Deshalb standen viele Krankenhausbesuche an, die anders als in Deutschland mindestens 4 Stunden lang sind. Seit Montag stehen nun die Aufgaben für das Jahr fest. Ich werde mit Marie zusammen die Grade R (Vorschule) und das Bonitaprogramm machen.
Letzte Woche waren Ferien, was dann für uns viel Arbeit heißt, dass die Kinder liebend gerne was machen wollen. So überlegten wir uns für Mo- Do etwas. Freitag haben die Sisis („sisi“ ist xhosa und bedeutet Schwester, also die Betreuer) den Nationalfeiertag „heritage day“ nachgefeiert. Es wurde getanzt, gesungen, Gedichte vorgetragen und geschauspielert. Es war eine bunte Mischung, die nicht zuletzt durch die traditionellen Kleider zu Stande kam. Was darf an so einem Tag nicht fehlen? Richtig, das Essen... Eins der Nationalessen ist Kuhmagen, warum also nicht das an diesem Tag zubereiten. Der Geruch, den ich einiger Tage vorher im Office beim Email schreiben aufgeschnappt hatte, bereitete mir nicht so großen Hunger. Höflichkeit steht aber vorne, deswegen haben wir es alle brav probier. Leider hat mein Magen sich vollkommen geweigert mehr davon zu essen, als ein kleines Stücken. Das selbstgebrauchte Ingwerbier wurde von Schluck zu Schluck besser. Wenigstens etwas wo ich sagen konnte, dass es mir geschmeckt hat.




Es gibt noch so vieles mehr zu erzählen, teilweise geht das, vieles ist aber nicht in Worte fassbar. Ich hoffe ich konnte einen kleinen Eindruck vermitteln, was es heißt hier zu Leben und zu Arbeiten.

Jederzeit freue ich mich auf Neuigkeiten und Lebenszeichen aus Deutschland und von meinen fleißigen Bloglesern! Danke, dass ihr so intressiert dabei seid.

Salani kakuhle
Lina

Sonntag, 21. September 2008

Darf ich bitten?

Jede Woche Dienstag –und Mittwochnachmittag machen Marie und ich Programm für die Patienten im Bonitahaus. Das Bonia ist das Haus für HIV positiv Erkrankte, die am Anfang ihrer Behandlung stehen und dort ihre Medizin und gutes Essen bekommen. Das Programm variiert bislang zwischen Tanzen, Basteln und Spiele spielen. An unserem ersten Nachmittag haben wir einen einfachen Tanz aus 4 Elementen mit ihnen eingeführt, davon waren sie total begeistert und wollen nun immer wieder tanzen. Unser Problem ist nur, dass uns die nötige Lust fehlt und auch eine einfache Choreographie, Hilfe von Tanzbegeisterten ist bei Tag und Nachtzeit willkommen, den Preis Euch einfliegen zu lassen ist leider momentan in meinem Budget nicht vorhanden. Aber wer weiß schon was das Jahr sonst noch bringt... Seitdem haben wir uns eine na ja wie soll ichs nennen, weniger beliebte Choreographie ausgedacht und seitdem warten sie und warten sie und warten sie. Aber zum Glück gibt es ja noch andere Dinge, die man machen kann. Aber ich hatte ja das Glück eine Waldorfschule zu besuchen, weshalb meine kreative Ader doch schon ausgeprägt ist. Mit Hilfe meiner auch ohne waldorfbildung kreativen Mitstreiterin kam schon so manch kreativer Nachmittag zustande. Ein wunderbarer mit Sand gefüllter Luftballon mit einem Smiley drauf bringt sie zum Lachen, wenn es ihnen mal zum Weinen zu Mute ist. Oder jeder konnte sich mit Window color seinen Namen gestalten und es dann auf einen Becher kleben, so hat nun jeder seinen Becher. Sie waren so begeistert davon, dass sie nun mehr Tassen machen wollen und sie zum Verkauf anbieten. Da bin ich ja gespannt ob das klappt. Aber bei den vielen Touristen die hier her kommen, sind sicherlich ein paar Kaufwillige dabei.
Die Hoffnung stirbt zuletzt, deshalb bin ich zuversichtlich, dass uns die Ideen nicht ausgehen.

Dienstag, 9. September 2008

21:37h Feierabend - Medizintag

Eine meiner Hauptaufgaben ist die Medizin, das heisst, dass die Kinder regelmaessig ihre Medikamente bekommen und sie (falls noetig) Montags und Donnerstags von den Aerzten untersucht werden die nach Baphumelele kommen. Die letzte Woche war zumindest fuer mich relativ ruhig, doch dann kam der Samstag. Es musste noch neue Medizin vorbereitet werden und eine andere Medinzin im Krankenhaus abgeholt werden - na los, kann ja nicht lange dauern, denkste! Nach 6 Stunden war alles fertig und wir konnten ins Wochenende starten...
Am Montag ging es dann grad so weiter. Da in den letzten Wochen relativ viele neue Babys und ueberhaupt Kinder gekommen sind, mussten viele zur Untersuchung. Zwei Kinder, 2 1/2 und 5 Jahre, sind Freitagnacht zu uns gekommen und waren auch dabei. Am Nachmittag (also die Untersuchungen abgeschlossen waren) sind wir dann nach Simelela gefahren, eine Betreuungsstelle fuer missbrauchte Kinder. Normalerweise geht das recht schnell - was in suedafrikanischen Verhaeltnissen ca. 2-3 Stunden sind - doch was wir nicht wussten, fand an diesem Tag ein Verhoer statt, weil sie von ihrem Vater vergewaltigt wurden. Bei solchen Geschichten und auch wie damit umgegangen wird faellt einem dann auf, dass es hier Realitaet ist und wir davon voellig geschockt und es gar nicht glauben koennen das so etwas wirklich passiert.
Back at home (hier reden wir uebrigens viel Denglisch) mussten dann noch alle Spritzen fuer die Babys aufgezogen werden, was nicht gerade wenig ist. So kam es, dass ich dann um 21:37h auf die Uhr schaute und erleichtert feststellen konnte: FEIERABEND!

Kommentare ermoeglichen mir die Gewissheit, dass hier fleissig gelesen wird.

Samstag, 30. August 2008

Angekommen


Da mittlerweile schon mehr als eine Woche in Baphumelele vergangen ist, ist es an der Zeit mich mal zu Wort zu melden.


Der Flug war gut und wie es halt hier in Suedafrika ist, konnte natuerlich nicht alles glatt laufen. Bei der Einreise war es etwas komplizierter, sodass meine Mitfreiwilligen Jakob, Freddie und Johanna etwas warten mussten. Nun gut, war ja nicht weiter schlimm.


Mein neues Zuhause ist relativ klein, aber ziehmlich gemuetlich. Seit Sonntag wohne ich mit Veronika in einem kleinen Zimmer mit Stockbett in dem Flat von den Avivas, den anderen Frewilligen hier in Baph.


Letztes Wochenende sind wir gleich mal nach Kapstadt gefahren und haben die Freiheit genossen, die man hier in Baphumelele nicht wirklich hat. Am Sonntag gings an den Strand mit Sicht nicht nur auf Kapstadt und den Tafelberg, sondern auch auf Wale am Horizont. Wie im Bilderbuch also.


Montag fing dann die Arbeit an. Die meiste Zeit diese Woche arbeitete ich in der Grade R, der Vorschule mit 2 Klassen. Gluecklicherweise sind immer 2 von uns da, sodass wir auf die Klassen aufgeteilt sind. In einer Klasse sind die Juengeren, in der anderen die Aelteren. Ich half nun immer 2 Stunden mit. Es ist nur etwas schwierig, wenn ca. 15 kleine xhosa-sprechende Kinder um dich rumrennen und du natuerlich kaum ihre Sprache sprichst. Aber so langsam wird es und kaum betrete ich den Raum sind die Kinder schon auf mir und um mich herum - so wie ueberall hier in Baphumelele uebrigens. Anfangs war es echt schwierig in der Klasse, vorallem weil ich nicht wusste was tun. Es wurde aber immer besser, vorallem, weil die Lehrerin mich nun auch in Entscheidungen miteinbezieht.

Am Mittwoch hiess es dann frueh aufstehen, weil ich mit einem 1 1/2 Jahre alten Kind ins Krankenhaus gegangen bin. Nach ca. 2 Stunden warten stellte sich heraus, dass der Termin vor einem Jahr war und das irgendwie verpeilt wurde - well thats South Africa.

Gestern war der wohl verrueckteste Tag bislang. Anil, Marie, Veronika, Sim und ich fuhren nach McGregor, einem Waldorfinternat ca. 2 Stunden von hier. Es ist einfach der krasse Gegensatz. Man kann sich dort frei bewegen, die Haeuser haben jeweils genuegend Platz und alles wirkt so friedlich. Ist halt wirklich der komplette Gegensatz zu Khayelitsha, der 4. gefaehrlichsten Gegend der Welt. Auf dem Heimweg speurten wir den Sturm und ein Stein auf der Strasse verursachte einen Platten. Zum Glueck war ein Weingut um die Ecke und so konnte der Reifen gewechstelt werden. Aber als ob das nicht schon genug war, ging unser Benzin dem Ende zu und die ersten Tankstellen die wir anfuhren hatten nicht das Benzin das wir wollten. Nun gut, irgendwo fanden wir dann noch eine und jetzt hatten wir natuerlich Hunger, also raus ausm Auto, Pizza essen mit unserem letzten Geld in der Tasche. Auf der Autobahn merkten wir dann, dass wir kein Geld mehr hatten, um die Maut zu bezahlen, aber ein netter VW Fahrer half uns aus der Patsche, wieder mal Glueck gehabt.

Ich werd mir jetzt mal einen warmen Tee machen, weil hier ist tiefster Winter und der schlimmste Sturm seit 5 Jahren. Morgen werd ich mich um die Medizin hier kuemmern, was wahrscheinlich ab morgen dann mein Arbeitsbereich sein wird.

Machts gut ihr Daheimgebliebenen und schickt mir bei Zeiten mal etwas Sonne.